Grundlagen
KI-Glossar: Die wichtigsten Begriffe einfach erklärt
Token, Prompt, RAG oder Halluzination? Unser Glossar erklärt die wichtigsten KI-Begriffe in einfachen Worten, mit Beispielen aus dem Alltag von Betrieben.
Die Inhaberin einer Zahnarztpraxis liest das Angebot für einen digitalen Telefonassistenten. Darin ist von Voicebot, Sprachmodell, Schnittstelle und AVV die Rede. Bevor sie unterschreibt, möchte sie verstehen, was diese Wörter bedeuten. Genau dafür ist dieses Glossar gedacht. Es erklärt die wichtigsten Begriffe rund um künstliche Intelligenz in einfachen Worten, alphabetisch sortiert und mit Beispielen aus dem Alltag von Betrieben und Verwaltungen.
A bis D
Algorithmus
Ein Algorithmus ist eine genaue Schritt-für-Schritt-Anleitung, nach der ein Computer eine Aufgabe löst. Er funktioniert wie ein Rezept in der Backstube. Wer die Schritte in der richtigen Reihenfolge ausführt, kommt zuverlässig zum Ergebnis. Jedes Programm arbeitet mit Algorithmen, doch längst nicht jeder Algorithmus ist künstliche Intelligenz. Die Kasse, die beim Bezahlen die Mehrwertsteuer ausrechnet, folgt einem einfachen Algorithmus ohne jede KI.
Auftragsverarbeitung (AVV)
Von Auftragsverarbeitung spricht man, wenn ein Dienstleister personenbezogene Daten im Auftrag Ihres Betriebs verarbeitet, etwa ein Cloud-Anbieter oder ein KI-Dienst. Die DSGVO verlangt dafür einen eigenen Vertrag, den Auftragsverarbeitungsvertrag, kurz AVV. Er regelt, was der Dienstleister mit den Daten tun darf und wie er sie schützt. Die Verantwortung für die Daten bleibt trotzdem bei Ihnen. Nimmt ein Telefonassistent für eine Arztpraxis Terminwünsche mit Namen und Telefonnummer entgegen, ist ein AVV mit dem Anbieter nötig.
Automatisierung
Automatisierung bedeutet, dass ein Computer wiederkehrende Arbeitsschritte selbstständig erledigt. Klassische Automatisierung braucht dafür keine KI, sie folgt festen Regeln nach dem Muster „Wenn das passiert, dann tue jenes“. Eine Bäckerei lässt so z. B. Vorbestellungen aus dem Online-Formular automatisch in die Backliste für den nächsten Morgen übertragen. Mit KI lassen sich auch Schritte automatisieren, bei denen jeder Fall etwas anders aussieht, etwa das Vorsortieren von E-Mails. Siehe auch Workflow.
Chatbot
Ein Chatbot ist ein Programm, mit dem man sich schriftlich unterhalten kann, z. B. in einem Fenster auf einer Website. Ältere Chatbots arbeiten mit vorbereiteten Antworten und reagieren nur auf bestimmte Stichwörter. Moderne Chatbots nutzen ein Sprachmodell und kommen auch mit frei formulierten Fragen zurecht. Auf der Website eines Rathauses kann ein Chatbot rund um die Uhr erklären, welche Unterlagen man für einen neuen Personalausweis braucht. Am Telefon heißt das Gegenstück Voicebot.
Deep Learning
Deep Learning ist eine Form des maschinellen Lernens, die mit großen neuronalen Netzen arbeitet. „Deep“, also tief, bezieht sich auf die vielen Schichten, die in diesen Netzen hintereinanderliegen. Jede Schicht erkennt etwas komplexere Muster als die vorherige. Deep Learning steckt heute in Spracherkennung, Übersetzungsprogrammen und allen großen Sprachmodellen. Auch wenn Ihr Handy Fotos nach Personen sortiert, arbeitet im Hintergrund Deep Learning.
DSGVO
Die Datenschutz-Grundverordnung, kurz DSGVO, ist das europäische Gesetz zum Schutz personenbezogener Daten. Sie gilt seit Mai 2018 und betrifft jeden Betrieb, der mit Daten von Kundschaft, Beschäftigten oder Geschäftskontakten arbeitet. Personenbezogen sind alle Angaben, die sich einer Person zuordnen lassen, z. B. Name, Telefonnummer, Bestellungen oder Befunde. Wer solche Daten in ein KI-Programm eingibt, muss die DSGVO beachten und braucht in der Regel einen AVV mit dem Anbieter. Mehr dazu im Artikel KI und Datenschutz.
E bis K
Feinabstimmung (Fine-Tuning)
Bei der Feinabstimmung wird ein bereits trainiertes Modell mit zusätzlichen, sorgfältig ausgewählten Beispielen nachtrainiert. So lernt es etwa einen bestimmten Schreibstil, eine Fachsprache oder ein festes Antwortformat. Eine Kanzlei könnte ein Modell z. B. darauf abstimmen, Schreiben im eigenen Hausstil zu entwerfen. Feinabstimmung kostet Zeit und Rechenleistung, und bei größeren Änderungen muss neu trainiert werden. Um ein Modell mit aktuellem Firmenwissen zu versorgen, ist RAG deshalb meist der einfachere Weg.
Generative KI
Generative KI erzeugt neue Inhalte, also Texte, Bilder, Stimmen, Musik oder Programmcode. Sie nutzt dafür Muster, die sie beim Training gelernt hat. Ältere KI-Anwendungen erkennen, sortieren oder sagen etwas vorher, generative KI erstellt etwas Neues. Bekannt wurde sie vor allem durch ChatGPT, das Ende 2022 erschien. Ein Friseursalon kann sich mit generativer KI z. B. einen Text für die neue Preisliste oder einen Beitrag für soziale Netzwerke entwerfen lassen.
Halluzination
Von Halluzination spricht man, wenn eine KI etwas Falsches mit großer Selbstsicherheit behauptet. Sie erfindet dann z. B. Quellen, Urteile, Zahlen oder Produkteigenschaften. Der Grund liegt in der Arbeitsweise, denn ein Sprachmodell erzeugt wahrscheinlich klingenden Text und prüft nicht, ob er stimmt. Fragt jemand in der Bäckerei nach den Allergenen eines Brots, ohne das Rezept mitzugeben, kann die KI eine plausible, aber falsche Liste liefern. Prüfung durch Menschen und Antworten mit Quellenangabe, etwa über RAG, senken dieses Risiko.
KI-Agent
Ein KI-Agent ist ein Programm, das eine Aufgabe in mehreren Schritten weitgehend selbstständig erledigt. Er plant die Schritte, nutzt Werkzeuge wie Suche, Kalender oder E-Mail und prüft seine Zwischenergebnisse. Damit geht er über einen Chatbot hinaus, der nur antwortet. Gute Agenten arbeiten in klaren Grenzen und legen wichtige Schritte einem Menschen zur Freigabe vor. Für einen Handwerksbetrieb kann ein Agent z. B. eine Anfrage lesen, fehlende Maße per E-Mail nachfragen und einen Angebotsentwurf vorbereiten. Die Unterschiede erklärt der Artikel Chatbot, Automatisierung, KI-Agent.
KI-Kompetenz
KI-Kompetenz bedeutet, KI sachkundig einzusetzen und ihre Chancen und Risiken einschätzen zu können. Dazu gehört zu wissen, was ein Programm kann, wo seine Grenzen liegen und welche Daten man eingeben darf. Seit Februar 2025 verlangt die KI-Verordnung der EU, dass Betriebe, die KI einsetzen, etwas für die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten tun. Seit Juli 2026 heißt das, Maßnahmen zu ergreifen, die den Aufbau von KI-Kompetenz unterstützen, etwa eine Schulung. Ein Zertifikat ist nicht vorgeschrieben. Wie das im Einzelnen aussieht, hängt davon ab, welche KI wofür genutzt wird. Details erklärt der Artikel Die EU-KI-Verordnung einfach erklärt.
KI-Verordnung (AI Act)
Die KI-Verordnung, englisch AI Act, ist das Gesetz der Europäischen Union für künstliche Intelligenz. Sie ist im August 2024 in Kraft getreten, ihre Pflichten gelten schrittweise. Die Verordnung ordnet KI-Anwendungen nach ihrem Risiko ein, von verbotenen Praktiken über streng geregelte Hochrisiko-Systeme, etwa bei der Personalauswahl, bis zu einfachen Anwendungen mit wenigen Pflichten. Bei einem Chatbot oder Telefonassistenten sollen Menschen z. B. erkennen können, dass sie mit einer KI sprechen. Einen Überblick gibt der Artikel Die EU-KI-Verordnung einfach erklärt.
Kontextfenster
Das Kontextfenster ist die Textmenge, die ein Sprachmodell auf einmal berücksichtigen kann. Dazu zählen Ihre Anweisung, der bisherige Gesprächsverlauf, hochgeladene Dokumente und die Antwort selbst. Gemessen wird es in Tokens. Wird es knapp, übersieht das Modell manchmal frühe Vorgaben, oder das Programm kürzt ältere Teile des Gesprächs. Wer einen langen Mietvertrag und viele E-Mails in ein Gespräch lädt, sollte wichtige Anweisungen deshalb am Ende noch einmal wiederholen.
Künstliche Intelligenz (KI)
Künstliche Intelligenz ist der Sammelbegriff für Computerprogramme, die Aufgaben übernehmen, für die man bisher menschliches Denken brauchte. Dazu gehören Sprache erkennen, Bilder auswerten, Texte schreiben oder Vorhersagen treffen. Die meisten heutigen KI-Anwendungen beruhen auf maschinellem Lernen, sie lernen also Muster aus Beispielen. Ein Bewusstsein oder echtes Verständnis hat KI nicht. Eine einfache, alltägliche KI ist der Spamfilter in Ihrem E-Mail-Programm.
L bis P
Lokales Modell
Ein lokales Modell läuft auf einem Rechner oder Server im eigenen Betrieb, ohne die Cloud eines Anbieters zu nutzen. Vertrauliche Daten verlassen dabei das Haus nicht. Dafür braucht es leistungsfähige Hardware und eine Person, die das System pflegt. Lokale Modelle beruhen oft auf einem Open-Weight-Modell und liefern bei schwierigen Aufgaben meist schwächere Ergebnisse als die großen Cloud-Modelle. Eine Kanzlei kann so z. B. Schriftsätze zusammenfassen lassen, ohne dass Daten der Mandantschaft den eigenen Server verlassen.
Maschinelles Lernen
Maschinelles Lernen ist die wichtigste Methode der heutigen KI. Ein Programm bekommt viele Beispiele und erkennt darin selbst Muster, nach denen es später neue Fälle beurteilt. Niemand muss die Regeln vorher einzeln aufschreiben. Ein Spamfilter lernt so aus vielen markierten E-Mails, woran man Werbung und Betrug erkennt. Eine Bäckerei kann auf diese Weise aus Verkaufszahlen, Wochentag und Wetter schätzen lassen, wie viele Brezen am nächsten Tag gebraucht werden.
Multimodal
Ein multimodales Modell verarbeitet mehrere Arten von Inhalten, also neben Text auch Bilder, gesprochene Sprache, Töne oder Videos. Man kann ihm z. B. ein Foto zeigen und eine Frage dazu stellen. Viele aktuelle Sprachmodelle sind multimodal. Ein Dachdeckerbetrieb fotografiert einen Sturmschaden, und die KI erstellt daraus eine erste Schadensbeschreibung für die Versicherung. Auch handschriftliche Notizen oder Lieferscheine lassen sich so abfotografieren und auslesen.
Neuronales Netz
Ein neuronales Netz ist ein Rechenmodell, das lose dem Aufbau des Gehirns nachempfunden ist. Es besteht aus vielen einfachen Recheneinheiten, die in Schichten miteinander verbunden sind. Jede Verbindung hat ein Gewicht, also eine Art Stellschraube. Beim Training werden diese Stellschrauben so lange angepasst, bis das Netz gute Ergebnisse liefert. Große Sprachmodelle haben viele Milliarden solcher Stellschrauben.
Open-Weight-Modell
Bei einem Open-Weight-Modell veröffentlicht der Hersteller die Gewichte, also die gelernten Stellschrauben des neuronalen Netzes. Betriebe können das Modell herunterladen und auf eigener Hardware betreiben, z. B. als lokales Modell. Trainingsdaten und Trainingsverfahren bleiben oft unveröffentlicht, deshalb ist Open Weight nicht ganz dasselbe wie Open Source. Vor dem gewerblichen Einsatz sollten Sie die Lizenzbedingungen prüfen. Bekannte Beispiele sind die Modellfamilien Llama von Meta und Gemma von Google sowie mehrere Modelle von Mistral.
Prompt
Ein Prompt ist die Anweisung oder Frage, die Sie einer KI geben. Er kann aus einem kurzen Satz bestehen oder aus einer ganzen Seite mit Hintergrund, Beispielen und Vorgaben zum Format. Je genauer der Prompt, desto brauchbarer ist meist das Ergebnis. Die Anweisung „Beantworte diese Reklamation“ liefert nur einen allgemeinen Text. Mit mehr Angaben entsteht ein besserer Entwurf, wie im folgenden Beispiel.
R bis Z
RAG (Retrieval-Augmented Generation)
RAG steht für Retrieval-Augmented Generation, auf Deutsch etwa „Texterzeugung mit Nachschlagen“. Bevor die KI antwortet, sucht ein System in Ihren eigenen Unterlagen nach passenden Stellen, z. B. in Handbüchern, Preislisten oder Satzungen. Das Sprachmodell formuliert die Antwort dann auf dieser Grundlage und kann die Quelle nennen. So bleiben Antworten aktuell und überprüfbar, ohne dass das Modell neu trainiert werden muss. Fragt eine neue Mitarbeiterin in der Praxis nach der Aufbereitung von Instrumenten, antwortet die KI mit den Schritten aus dem Hygieneplan und verweist auf die passende Seite.
Schnittstelle (API)
Eine Schnittstelle, englisch API für Application Programming Interface, ist ein festgelegter Weg, über den zwei Programme Daten austauschen. Über Schnittstellen lassen sich z. B. Kalender, Kasse und Buchhaltung verbinden, damit niemand Daten doppelt eintippen muss. Auch KI-Modelle werden meist über eine API an die Programme eines Betriebs angebunden. Ein KI-Telefon trägt einen Termin so direkt in den Online-Kalender eines Friseursalons ein. Beim Kauf neuer Software lohnt sich deshalb die Frage, ob sie eine offene Schnittstelle hat.
Spracherkennung
Spracherkennung wandelt gesprochene Sprache in geschriebenen Text um. Sie steckt in der Diktierfunktion des Handys, in Sprachassistenten und in Programmen, die Besprechungen mitschreiben. Moderne Spracherkennung beruht auf Deep Learning und ist in den letzten Jahren deutlich genauer geworden. Eine Malermeisterin spricht ihre Notizen vom Aufmaß auf der Baustelle ins Handy, und im Büro liegen sie als Text vor. Bei starkem Dialekt oder Lärm lohnt sich trotzdem ein prüfender Blick auf Zahlen und Namen.
Sprachmodell (LLM)
Ein Sprachmodell, englisch Large Language Model oder kurz LLM, ist eine KI, die mit riesigen Textmengen trainiert wurde. Es berechnet, welches Textstück, also welches Token, als Nächstes am wahrscheinlichsten folgt, und baut so Stück für Stück Antworten auf. Auf Sprachmodellen beruhen z. B. ChatGPT, Microsoft Copilot, Google Gemini und Claude. Sie formulieren flüssig, können sich aber irren, siehe Halluzination. Der Artikel Wie funktionieren ChatGPT & Co.? erklärt das ausführlich.
Token
Ein Token ist die Grundeinheit, in der ein Sprachmodell Text verarbeitet. Oft ist das ein kurzes Wort oder ein Wortteil, manchmal nur ein Satzzeichen. Lange deutsche Wörter wie „Allergenkennzeichnung“ zerlegt das Modell in mehrere Tokens. Das Kontextfenster und oft auch die Kosten für die Nutzung werden in Tokens gemessen.
Training
Beim Training lernt ein KI-Modell aus großen Mengen von Beispielen. Es macht immer wieder Vorhersagen, vergleicht sie mit dem richtigen Ergebnis und passt seine inneren Stellschrauben an. Danach ist das Wissen des Modells auf dem Stand seiner Trainingsdaten eingefroren, man spricht vom Trainingsstichtag. Wenn Sie ein KI-Programm nutzen, trainieren Sie es dabei normalerweise nicht. Ob ein Anbieter Ihre Eingaben später für neues Training verwendet, regeln seine Vertragsbedingungen und Einstellungen.
Voicebot
Ein Voicebot ist ein Chatbot fürs Telefon. Er wandelt das Gesprochene per Spracherkennung in Text um, erzeugt eine passende Antwort und spricht sie mit künstlicher Stimme aus. So kann er Anrufe annehmen, häufige Fragen beantworten oder Termine vereinbaren. Während die Friseurin schneidet, nimmt der Voicebot den Anruf an und trägt den Wunschtermin ins Terminbuch ein. Anrufende sollten dabei erkennen können, dass sie mit einer KI sprechen.
Workflow
Ein Workflow ist ein festgelegter Arbeitsablauf, also die Reihenfolge der Schritte, die eine Aufgabe vom Anfang bis zum Ende durchläuft. Eine Eingangsrechnung wird z. B. geprüft, freigegeben, gebucht und abgelegt. Wer die eigenen Abläufe aufschreibt, sieht schnell, welche Schritte sich automatisieren lassen und wo ein Mensch entscheiden sollte. KI kann einzelne Schritte übernehmen, etwa die Angaben aus der Rechnung auslesen und ins Buchhaltungsprogramm übertragen.
Fazit
Sie müssen nicht jeden Fachbegriff kennen, um KI im Betrieb sinnvoll zu nutzen. Wer die wichtigsten versteht, kann aber Angebote besser vergleichen und die richtigen Fragen stellen. Welche dieser Techniken Ihrem Betrieb konkret hilft, klären wir gern im kostenlosen Erstgespräch, ohne Fachchinesisch.